3. Mai 2014

Rezension zu "Die 5. Welle" von Rick Yancey - Aliens, Action, viele Emotionen und ein bisschen Philosophie

Infos zum Buch
Autor: Rick Yancey
Preis: 16,99 € (Gebundene Ausgabe)
Seiten: 480
Verlag: Goldmann
Reihe:
1. Die 5. Welle
2. Originaltitel: The Infinite Sea (erscheint im September 2014) 3. ?

Kurzbeschreibung
Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem! Das hat auch Cassie lernen müssen, denn seit der Ankunft der Anderen hat sie fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Das Wenige, was sie noch besitzt, passt in einen Rucksack. Und dann begegnet sie Evan Walker. Er rettet sie, nachdem sie auf der Flucht vor den Anderen angeschossen wurde. Eigentlich weiß sie, dass sie ihm nicht vertrauen sollte. Doch sie geht das Risiko ein und findet schon bald heraus, welche Grausamkeit die fünfte Welle für sie bereithält...  (Quelle)



Meine Meinung
Das Cover ist wirklich schön. Alles ist düster, und in der Mitte sieht man diese Person, die aus dem Dunkel ins Licht tritt. Das Licht ist nur ein kleiner Fleck, aber für mich signalisiert es irgendwie die Hoffnung und den ungebrochenen Kampeswillen der Menschen im Buch, während die Welt um sie herum zerfällt. In echt glitzern und glänzen die goldfarbenen Teile des Covers total :)
Also. Aliens als Hauptthema eines Buches - mir kommen als erstes Raumschiffe, Technik und Laserstrahlschlachten in den Sinn. "Die 5. Welle" ist aber höchstens ein bisschen science-fiction-mäßig angehaucht und ansonsten eher als postapokalyptisch zu bezeichnen (es gibt keine Leserstrahlenschlachten). 
Irgendwann vor dem Beginn des Buches tauchte in der Umlaufbahn der Erde das sogenannte Mutterschiff auf, das von der Erde aus betrachtet wie ein grüner Lichtfleck aussieht. Die Menschen versuchten, Kontakt aufzunehmen - nichts. Sie warteten - nichts. Bis eines Tages sämtlicher Strom einfach verschwand. Das war die erste Welle. Die zweite Welle sorgte für Sturmfluten und zerstörte die Küstengebiete. Die dritte Welle brachte eine Seuche mit sich, die fast alle tötete, die bis dahin überlebt hatten. Und die vierte Welle brachte die Silencer, die Auslöscher.
Warum verfolgen die Aliens so einen komplizierten Plan? Diese Frage sollte man sich besser nicht stellen. Es gibt nämlich bisher keine Antwort darauf. Aber ohne ebendiese vier Wellen hätte das Buch keinen Sinn, es würde wahrscheinlich nicht einmal existieren. Und abgesehen von dem noch fehlenden Sinn des Plans ist die Geschichte wirklich großartig und meistens schlüssig konstruiert. Alles ergibt früher oder später einen Sinn. Was mich gestört hat, war der Wechsel von gegenwärtiger Handlung zur Nacherzählung vergangener Ereignisse. Manchmal wurde kapitellang nur von Sachen erzählt, die schon etwas weiter zurücklagen. Mir ist klar, dass auch diese Handlung wichtig für die Geschichte ist, aber der Wechsel war manchmal etwas verwirrend. 
Es gibt mehrere Handlungsstränge, aus denen die Geschichte Stück für Stück so erzählt wird, dass man selbst die Gelegenheit hat, mitzurätseln, was wohl als nächstes passiert. Jeder Handlungsstrang folgt einem bestimmten Charakter, und als sich diese am Ende begegnen, wird aus drei kleinen eine gemeinsame Geschichte.

Die eigentliche Hauptperson des Buches war für mich Cassie. Auf der Suche nach ihrem Bruder wandert sie durch einen Wald und über einen Highway, erzählt von den Ereignissen seit dem Auftauchen des Mutterschiffs und von ihren eigenen Erlebnissen. Ich mochte sie sehr, sowohl wegen ihrer sarkastischen Persönlichkeit und ihrem starken Willen. Cassie ist eine Person, die sich auch mit einer Kugel im Bein weigert, liegen zu bleiben; eine Person, die immer wieder aufsteht. Im späteren Verlauf war sie mir manchmal etwas zu zickig, aber bei dem, was sie mit ansehen musste, kann ich ihr das auch nicht wirklich verdenken. Cassie erzählt aus der Ich-Perspektive und Gegenwart, wodurch die Ereignisse atmosphärisch immer sehr dicht und irgendwie nah wirkten.
Dann gibt es Ben alias Zombie. Ben befindet sich in einem Militärcamp und wird dort ausgebildet, um gegen die Außerirdischen zu kämpfen. Eigentlich hat er aber die Nase gestrichen voll und wartet mehr oder weniger, auch wenn er nicht weiß, worauf. Eigentlich fand ich Ben ganz okay, aber sein Handlungsstrang hat mich genervt. Dieser Perspektivenwechsel ins Militärcamp kam so unerwartet und irgendwie auch zum falschen Zeitpunkt, und die Handlung im Camp an sich fand ich langweilig. Es gab ein paar Hinweise, dass irgendetwas vor sich geht, aber diese sind oft einfach untergegangen.
Zum dritten Handlungsstrang sage ich lieber nichts, weil ich zu viel verraten könnte, aber auch er ist sehr wichtig und eine Art Verbindung - sowohl zwischen den beiden anderen Strängen als auch zwischen Vergagenheit und Gegenwart.

In "Die 5. Welle" werden einige philosophisch wirkende Fragen über beispielsweise die Wichtigkeit der Menschheit, aber auch den Wert des Einzelnen aufgeworfen. Das verlieh dem Buch einen gewissen Tiefsinn, nachdem ich zuerst das Gefühl gehabt hatte, das es eher an der Oberfläche kratzt, und machte mich nachdenklich. Spätestens da ging es nämlich gar nicht mehr so sehr um die Außerirdischen, sondern vielmehr um das Verhalten der Menschen in einem solchen Fall.
Die Emotionen sind sehr ausdrucksstark geschildert, sodass ich das Gefühl hatte, mit den Charakteren mitzuempfinden. Ich konnte Cassies Angst und Paranoia verstehen, ihre Wut und ihre Trauer nachvollziehen. Ich konnte verstehen, wie ungerecht Ben die Dinge fand, die vor sich gingen, und fand es großartig beschrieben, wie er deswegen nicht verzweifelte, sondern sogar stärker wurde.
Rick Yanceys Schreibstil ist etwas Großartiges, Besonderes, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Er bewegt sich stets zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit, zwischen mal eher nüchternen und mal beinahe poetischen Beschreibungen. Dazwischen gibt es ab und an auch mal Umgangssprache oder Flüche, aber nie so viel, dass es übertrieben oder künstlich wirkt. Was noch Erwähnung verdient, ist die Heftigkeit einiger Beschreibungen - der Autor schreckt vor nicht viel zurück. Auch nicht vor Blut oder Gedärmen. Und zu detaillierte Beschreibungen von so etwas mag ich nicht. Zum Glück gab es solche Momente nur selten, aber wenn, dann hatten sie es wirklich in sich.
Die Atmosphäre ist die meiste Zeit über düster. Es gibt nicht viele Lichtblicke, und über der ganzen Geschichte hängt das drohende Unheil - was sowohl den Protagonisten als auch mir immer klar war. Aber eine andere Atmosphäre hätte zu einer postapokalyptischen Geschichte über Aliens auch kaum gepasst.

Fazit

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten hat mir "Die 5. Welle" eigentlich gut gefallen. Gestört haben mich Zeit- und Perspektivwechsel, die mir manchal unpassend vorkamen, die unbeantwortete Frage nach dem genauen Plan der Außerirdischen und einige ziemlich heftige Beschreibungen. Gut fand ich hingegen die Charaktere (vor allem Cassie), den Tiefgang des Buches, die aufgeworfenen, fast schon philosophischen Fragen und Rick Yanceys supergenialen Schreibstil. Die drei Schmetterlinge oben sehen negativer aus, als sie eigentlich sind - aber ich finde einfach, dass das Buch noch Luft nach oben hat. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf den zweiten Teil. "Die 5. Welle" bekommt von mir 3 von 5 Schmetterlingen.

Kommentare:

  1. Tolle Rezensionen, du hast die verschiedenen Aspekte gut begründet. Das Buch klingt interessant, ich denke aber nicht, dass ich es lesen werde. :)

    Liebe Grüße <3

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    1. Danke :)
      Interessant ist es auf jeden Fall, aber auch etwas... eigenartig.

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  2. Das BUch möchte ich irgendwann auch noch lesen :)
    Liebst, Emme ♥

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  3. Tolle Rezi, ich kann mir jetzr einen viel besseren Eindruck von dem Buch machen, bis jetzt kam mir die Inhaltsangabe ziemlich unverständlich vor und ich werde das Buch denke lesen, da es sich echt cool anhört :)
    Liebe Grüße,
    Jana

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    1. Danke :) Die Inhaltsangabe finde ich auch etwas irritierend, aber die Geschichte dahinter ist wirklich gut.

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  4. Hey :)
    Schöne Rezension :) habe das Buch seit Ewigkeiten auf Englisch hier liegen, bin aber bisher nie zum Lesen gekommen :D ich mag es eigentlich nicht, wenn es auf die elementaren Fragen, die man sich während des Lesen stellt, keine Antworten gibt, abe da ich das Buch eh hier habe, werde ich es wohl bald mal lesen :D
    Liebe Grüße,
    Ebru

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    1. Danke :) Auf Englisch würde es mich auch noch interessieren, nur damit ich sehen kann, wie es sich in der Originalsprache liest. Ich mag das auch nicht so, wenn man sich am Ende dieselben Fragen wie am Anfang stellt, aber es gibt Aussicht auf Hoffnung wegen dem zweiten Teil :) Ich bin gespannt, wie du es finden wirst!

      Liebe Grüße :)

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