31. Mai 2014

Manga-Beinahe-Rezension zu "The Royal Doll Orchestra" von Kaori Yuki

Findet ihr den Titel etwas komisch? Ich auch, aber mir ist kein besserer eingefallen. Ich werde heute keine einzelnen Mangas rezensieren, sondern ein bisschen was zur Reihe (bzw. den ersten drei Bänden von) "The Royal Doll Orchestra" erzählen: ein paar Informationen zur Story, zu den Charakteren und zum Zeichenstil.

Infos
Mangaka: Kaori Yuki
Preis: 5,95 € pro Band (Taschenbuch)
Verlag: Carlsen
Teile insgesamt: 5

Zur Story
Es geht um eine kleine Truppe von Musikanten, die in einer Welt umherreist, die ein wenig wie eine Mischung aus Hochmittelalter und viktorianischem Zeitalter daherkommt. Diese Welt wird mehr und mehr von den sogenannten Guignols heimgesucht, puppenartigen Zombies, die sich von Menschenfleisch ernähren und Menschen mit ihrem Blut infizieren.
Angeführt wird die Truppe vom schrägen Sänger Rutil, zu den anderen Charakteren sage ich später mehr. Zusammen versuchen sie, mit ihrer Musik Hoffnung im Kampf gegen die Guignols zu bringen - das behaupten sie zumindest. Oder sind Rutil und seine Kumpanen in Wahrheit auf etwas ganz anderes aus?


Meine Meinung
Alsoooo. In "The Royal Doll Orchestra" treffen Mythologie, Fantasy und Horror aufeinander. Zunächst einmal finde ich den Weltaufbau wirklich toll - viele Namen und Ortsnamen sind französisch, die Gestaltung mancher Orte oder Kleidungen hat mich stark an das viktorianische Zeitalter erinnert und viele Elemente scheinen ans Mittelalter angelehnt. Irgendwie ist es das alles und doch nichts davon, denn Kaori Yuki hat hier wirklich eine unglaublich komplexe Welt entworfen, die man weder beim ersten noch beim zweiten Lesen sofort durchblickt (auch ich habe sie immer noch nicht so ganz durchblickt, was aber daran liegen könnte, dass mir noch zwei Teile fehlen). Es ist eine detaillierte, von einer grausamen Königin regierte Welt, die von absolut schrägen Charakteren und Guignols, einer Mischung aus Zombies und Puppen, bevölkert wird und in der es nicht mehr viel Hoffnung gibt. Diese Hoffnungslosigkeit macht sich auch im Verlauf der Geschichte immer wieder bermerkbar, aber schließlich gibt es ja noch das Königliche Orchester, das mit seinen Liedern Hoffnung bringen soll.

Und damit komme ich zu den Charakteren. Diese sind so beispiellos schräg, dass es sich kaum in Worte fassen lässt, aber ich werde es trotzdem versuchen.
Angeführt wird das Orchester von Rutil. Rutil sieht im Grunde genommen aus wie eine Frau und kann mit der Kraft seines Gesanges die Guignols zerstören, aber er hat auch eine Menge Geheimnisse, von denen einige ziemlich krass sind und die mich, als sie herauskamen, immer überraschen konnten. Rutil besitzt außerdem das widersprüchliche Talent, in unangenehme Situationen zu geraten und sich aber auch immer aus diesen befreien zu können.
Dann gibt es Gwindel, den Cellisten des Orchesters, der zunächst sehr schweigsam ist und eher im Hintergrund bleibt, dann aber im dritten Teil sein Geheimnis offenbart, das wirklich alles getoppt hat, was es sonst so an Überraschungen gab.
Außerdem ist da Kohaku, der Violinist (gibt's das Wort überhaupt? xD), der immer irgendwo Waffen versteckt hat und in gefährlichen Situationen als erster eine Pistole oder ein Wurfmesser zur Hand hat. Er sorgt durch seine aufbrausende Art vor allem im ersten Teil immer wieder für witzige Momente und hat für mich einfach oft dann die Situation gerettet, wenn alles etwas zu überraschend und heftig wurde.
Der letzte im Bund ist Eles, dessen ganzes Leben praktisch ein Geheimnis ist (<= Kein Spoiler! Oder?). Er ist noch relativ jung und wird im ersten Teil als Klavierspieler Teil das Orchesters. Von da an wird die Geschichte meistens aus seiner Sicht erzählt, aber es folgen zwischendurch immer wieder kurze Perspektivwechsel.

Kaori Yukis Zeichenstil ist in "The Royal Doll Orchestra" unglaublich detailliert, atmosphärisch und klar. Irgendwie sieht jede Seite so aus, als hätte sie all ihre Bemühungen hineingesteckt, und was dabei herauskommt, das ist Kunst. Allerdings würde ich den Manga nicht unbedingt jemandem empfehlen, der noch nicht an das Von-Rechts-nach-Links-Sprechblasen-Leseprinzip aus Mangas gewohnt ist, da man hier manchmal durcheinanderkommen kann.
Die Dialoge an sich sind immer mit einer Prise Sarkasmus versetzt, was das eher düstere Setting nicht allzu "schwer" wirken lässt.

Fazit

Das Beste an der Geschichte... gibt es nicht. Alles ist toll, außer einer winzig kleinen Sache. Auch wenn im Grunde immer etwas passiert, hatte ich an manchen Stellen sehr das Gefühl, das die Geschichte nicht vorankommt, das sie auf der Stelle tritt. Als würde etwas fehlen oder als wollte die Autorin nur überbrücken wollen. 
Aber die Charaktere sind wirklich jenseits von Gut, Böse oder irgendwelchen Klischees. Wer mal untypische Charaktere in graphischer Form sucht, dürfte hier fündig werden. 
Die Zeichnungen von Kaori Yuki sind wirklich toll und wirken sehr mühevoll. Von mir gibt es für diesen sehr gelungenen Mix aus Horror, Spannung und kleinen Witzmomenten 4 von 5 Schmetterlingen.

Kommentare:

  1. Ich mag keine Mangas, aber schön, dass es dir gefallen hat :)
    Liebst, Emme ♥

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  2. Eine sehr interessante Beinah-Rezension :)
    Sowas könntest du öfter mal zu Manga machen :P Ich finds immer cool wenn jemand über Manga schreibt ;)
    Mit Kaori Yuki konnte ich allerdings noch nie wirklich was anfangen. Ich glaube ihre Serien sind wirklich interessant, aber irgendwie kann ich nicht so wirklich in ihnen versinken. So ganz genau weiß ich nicht woran das liegt.
    Aber, toll das es dir so gut gefällt!
    Liebe Grüße

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    1. Danke ♥
      Das mit dem Nicht-versinken-können versteh ich, so geht's mir mit Mangas oft. Versinken kann ich wirklich nur in "richtige" Bücher, aber Mangas sind ab und an eine nette Abwechslung, finde ich.
      Die Themen, die Kaori Yuki verwendet, sind irgendwie auch immer etwas... deprimierend? Sie schreibt immer über so ernsthafte Sachen.

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  3. Ich liebe Kaori Yukis Schreib- und Zeichenstil. Aber das habe ich schon mal gesagt oder? ;)
    Nach meinen ganzen Manga-Klogriffen wäre es wirklich Zeit etwas Gutes zu lesen. Danke für den tollen Tipp!

    Liebe Grüße & noch ein schönes Wochenende!

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    1. Ich liebe den Zeichenstil auch (das kann man gar nicht oft genug sagen :D)
      Die Geschichte ist etwas speziell. Etwas. Aber empfehlen kann ich sie dir auf jeden Fall.

      Danke, dir auch! :)

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  4. Kaori Yuki's Manga sind allgemein fantastisch (hab bisher alles von ihr gelesen, was auf deutsch erschienen ist <3).
    "The Royal Doll Orchestra" kann zwar meiner Meinung nach Reihen wir "Angel Sanctuary" nicht toppen, aber ich hab am Ende Rotz und Wasser geheult, weil es so schön und traurig zugleich war.
    Und wie fast jedes Werk der Zeichnerin musste ich es mehrmals lesen, um zu verstehen, was genau eigentlich los ist xD

    Toller Manga und tolle Rezension c:

    LG~

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    1. Ich bin so gespannt auf die zwei folgenden Bände (ich finde die nur irgendwie nirgendwo). Mich würde nämlich wirklich interessieren, was genau da los ist. Freut mich, wenn du es so gut fandest :) Ich hab bisher nur mehrere Reihen von Kaori Yuki angefangen, aber du hast recht - irgendwie musste ich selbst die ersten Bände zum Teil mehrmals lesen, um zu wissen, was passiert (den Einstieg fand ich bei "Angel Sanctuary" wirklich am schwersten, deswegen sind die Reihe und ich nie so gute Freunde geworden).

      Ja, es ist wirklich toll.
      Danke :)

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