26. April 2014

Nicht-Rezension zu "Die Bestimmung - Tödliche Wahrheit" oder Ich schaffe es nicht, mich kurz zu fassen, einfach weil dieses Buch so genial ist

=> Hier kommt ihr zur Nicht-Rezension zu "Die Bestimmung"

Dieser Post wird jetzt wieder lang und wahrscheinlich wiederhole ich mich ganz oft, aber ich muss auch zu diesem Buch so einiges loswerden, was mir im Kopf herumgeht. Es zu lesen, war wirklich überwältigend, und darum schreibe ich jetzt einen ganz ähnlichen Post wie vor ein paar Tagen zum ersten Teil. Ich erzähle euch von meinen Gefühlen, Gedanken und Überlegungen zu Themen, aufgeworfenen Fragen und Charaktern. Weil ich es nicht lassen kann, wird es auch wieder Spoiler geben, die ich aber so => Spoiler verbergen werde, dass ihr sie nur lesen könnt, wenn ihr den Text markiert. Falls ihr eure Meinung zum Buch oder zum Post loswerden wollt, schreibt's in die Kommentare; jeder wird gelesen und beantwortet. Für Informationen zur Handlung usw. ist hier der Link zur Verlagsseite.

Alsoooo *räusper*. Ich habe mich nacheinander durch beide Teile gelesen, war nach dem ersten ziemlich fertig und bin jetzt... durcheinander. Einerseits deprimiert, weil in diesem Teil so viel Schreckliches passiert ist. Aber auch wütend. Und erleichtert. Und aufgewühlt. ALLES.

*doppelräusper* Worum geht's in dem Buch? Um Rebellionen. Um Gefühle. Um Menschen, die sich unter bestimmten Umständen stark verändern. Um den menschlichen Verstand. Es gibt Kämpfe, es gibt Action, es gibt Romantik und Freundschaft und einiges an moralischen Überlegungen. War im ersten Teil vieles auf Angst bezogen, ist dieses Thema in  "Tödliche Wahrheit" zwar nicht aus der Welt, wird jedoch Teil eines wesentlich größeren Themenkomplexes.
Sehr präsent war die ganze Zeit die Frage nach Leben und Tod und der Bedeutung dieser. Was ist ein Leben wert? Wer darf darüber urteilen? Ist ein Leben es wert, für viele andere geopfert zu werden? Ist der Tod je richtig oder gerecht? Sollte ein Mensch tot sein, nur weil er für den Tod vieler anderer verantwortlich ist? Die Autorin hat es erneut geschafft, mich zum Grübeln zu bringen. Ich glaube nicht, dass es auf jede dieser Fragen eine eindeutige Antwort gibt.
Außerdem wird die Frage aufgeworfen, um welchen Preis Wissen verborgen bleiben darf. Sollte man die eine, entscheidende Information unter Verschluss halten, damit viele Menschen weiterhin in einer zwar fragwürdigen, aber dennoch irgendwie vorhandenen Sicherheit leben  können? Oder sollte jeder Bescheid wissen und selbst entscheiden, was er mit dem Wissen anstellt?

Am meisten im Vordergrund standen Veränderungen. Die Veränderungen der menschlichen Psyche unter gewissen Umständen. Die Veränderungen eines Systems, die nicht zwingend zum Besseren sein müssen, nur weil einige sie für besser halten. Die Veränderungen der Beziehungen zu anderen, die irgendwann passieren können, wenn zuviel im Weg steht. Hier habe ich für mich ein zweites Mal festgestellt, dass "Die Bestimmung" nicht nur eine Geschichte über ein dystopisches System und ein unangepasstes Mädchen ist, sondern das alles wesentlich vielschichtiger, mehrdeutiger und komplexer ist.

Ich mache wieder den Sprung zu den Charakteren. Eigentlich ist dieser Sprung gar nicht mal so groß, da einige Themen fest mit einigen Charakteren verknüpft sind bzw. durch die Charaktere erst ihren Ausdruck finden. Außerdem habe ich diesmal versucht, zu den Charakteren ein Zitat rauszusuchen, das irgendwie zu ihnen passt (leider habe ich für Four keins gefunden).

Tris. Sie verkörpert sozusagen die Veränderung. Sie hat viel mit angesehen und denkt oft über die Bedeutung von Leben und Tod nach. Sie hinterfragt die Werte des Systems, macht Fehler, gewinnt Erkentnisse und wächst an ihren Erfahrungen. Ich mochte sie in diesem Teil noch mehr als im ersten, einfach weil es schön ist zu sehen, wie sie langsam und allmählich einen Weg findet, die Dinge anzugehen. Und damit meine ich nicht, ins Hauptquartier der Ken zu marschieren, um sich dort zu opfern. Ich kann verstehen, dass sie sich schuldig gefühlt hat und Dinge wiedergutmachen wollte, aber ich meine viel mehr alles, was danach kommt, als Tris, Four und Peter fliehen und Tris erkennt, was sie wirklich zu tun hat. Das war eine beeindruckende Sache.
Genauso fühle ich mich, als müsste ich die einzelnen Teile von mir einfädeln und festbinden wie mit einem Schnürsenkel. Es ist ein erstickendes Gefühl, aber wenigstens fühle ich mich dabei auch stark.  (S.28)
Four. Versteht mich nicht falsch, ich mochte ihn und er ist cool und alles, aber ich hatte manchmal einfach das Gefühl, dass er überhaupt nicht die Situation erfasst, in der Tris sich befindet. Okay, selbst das kann ich noch verstehen, aber muss er ihr deswegen auch noch Vorwürfe machen? 

Caleb. Tris' Bruder und ganz ehrlich? Er ist sowas wie der Widerspruch in Person. Ich bin auf eurer Seite, ich werde zum Verräter, seh zu, was mit Tris passiert und am Ende helfe ich natürlich wieder euch oder so. Oh Mann. Ich kann auch gar nicht sagen, ob ich ihn jetzt mag oder nicht mag, aber eins weiß ich: Wenn einer für Überraschungen gut ist, dann Caleb. Was er gemacht hat, hat mich so unerwartet getroffen, und ich habe Respekt vor Veronica Roth, dass sie es geschafft hat, einen solchen Charakter trotzdem irgendwie glaubwürdig zu konzipieren.
"Was böse ist, hängt ganz davon ab, wo man steht."  (S.356)
Jeanine. Auch wenn sie sowas wie die Superschurkin der Geschichte ist, ich mag sie irgendwie. Sie besitzt eine faszinierende Persönlichkeit und ist im Wesentlichen einfach nur extrem neugierig. Aber auch so gewissenlos, dass sie viele hundert Menschen abschlachten lässt, um an Informationen zu kommen. Ich mochte die Dialoge zwischen ihr und Tris, und ich mochte auch, wie es ihr im Grunde einfach nur darum ging, Informationen zu sammeln. Dadurch wirkte sie nicht richtig böse, sondern eher... achtlos. Ich hätte gerne noch mehr über sie erfahren. Ich war und bin immer noch traurig, dass sie jetzt tot ist. 
Ich habe immer gedacht, dass Grausamkeit nur in Verbindung mit Bösartigkeit funktioniert. Aber das stimmt nicht. Jeanine handelt nicht aus bösem Willen. Sie ist schlicht und einfach grausam, weil es ihr egal ist, was sie anrichtet, solange es sie nur fasziniert. Ich könnte genauso gut ein vertracktes Puzzle sein oder eine defekte Maschine, die sie auseinandernehmen und reparieren will.  (S.318-319)
Eric. Er taucht nicht wirklich oft auf, aber wenn, dann so richtig. Er ist ein durchgeknallter Psychopath ohne jegliches Mitgefühl, der anders als Jeanine aber genau weiß, was er mit seinem Verhalten anrichtet, dieses Wissen voll ausnutzt und mit Vergnügen die Folgen seiner Taten betrachtet. Ähnlich wie sie ist jedoch auch er ein sehr interessanter Charakter, über den ich gern mehr erfahren hätte, und auch er ist nicht einfach nur böse, sondern empfindet sein eigenes Handeln als gerechtfertigt. Seine Hinrichtung hat mich wirklich deprimiert, weil die Szene so heftig war und weil ich weiß, dass er ein weiterer Charakter ist, der nie wieder auftauchen wird.
"Ich habe Befehl, nur zwei von euch zu Versuchszwecken in das Hauptquartier der Ken mitzunehmen", sagt Eric. "Die übrigen werden hingerichtet. Es gibt mehrere Möglichkeiten herauszufinden, wer von euch für uns am wenigsten nützlich ist." (...)
Er hebt seine Pistole und feuert.  (S.188-189)
Die Ferox - Uriah, Lynn, Marlene, Christina, Shauna, Zeke, Tori und noch ein paar. Ich mag vor allem Uriah und Lynn so sehr, dass es fast wehtut. Sie sind immer irgendwie da, sodass Tris in ihrer Gegenwart nie alleine ist, und sie sind für die meisten Lacher verantwortlich, die das Buch aus mir herausbekommen hat. Aber es ist traurig, dass sie den zweiten Teil nicht alle überlebt haben.
"Wir brauchen euch nicht als Verbündete", sagt Tori. "Wir sind Ferox."  (S.268)
Peter. In diesem Teil mochte ich ihn total, einfach weil er immer noch unberechenbar ist, aber mich diesmal positiv überraschen konnte. Seine Haltung der Welt gegenüber finde ich zwar leicht verquer, aber irgendwie auch nachvollziehbar.
"Ich kann niemandem etwas schuldig bleiben, okay? Die Vorstellung, dass ich in deiner Schuld stehe, hat mich krank gemacht. Manchmal bin ich mitten in der Nacht aufgewacht und dachte, ich müsste mich übergeben."  (S.379)

So. Fertig. Damit wäre dem Ausdruck meiner Gedanken und Gefühle für "Tödliche Wahrheit" Genüge getan. Den dritten Teil werde ich vermutlich nicht lesen, weil es mir mehr Spaß macht, nach dem wunderbar offenen Ende hin- und her zu überlegen, wie die Geschichte weitergeht. Außerdem hatte ich Teil 3 auf Englisch angefangen und irgendwie hat es mir gar nicht gefallen, also lasse ich es.
Kennt ihr das Buch schon? Wie fandet ihr es? Wer war oder ist euer Lieblingscharakter und wen konntet oder könnt ihr gar nicht leiden? Wollt ihr den dritten Teil lesen oder kennt ihr ihn schon?
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende! :)

Kommentare:

  1. Tolle Rezi! Ich musste schon bei dem cooles Titel des Eintrags lachen :)

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Nicole

    http://meine-zauberhafte-buecherwelt.blogspot.de/

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    1. Danke :) Dir auch liebe Grüße und ein schönes Wochenende :-)

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  2. Hi :)
    Okay, du bist total begeistert und ich eher … nicht xD Aber muss ja nichts Schlimmes sein ;) an vielen Punkten stimme ich dir zu. ZB mit den ganzen Freunden und Jeaninne, über die ich noch so viel mehr wissen möchte!
    Aber bitte lies weiter, das geht doch nicht, dass du nicht weiterliest! Das Buch hört mit einem miesen Cliffhanger auf, da kann ich nicht aufhören ^^ (Wie schaffst du es nur, so cool zu bleiben? ;D)
    Band 3 soll total merkwürdig und schlecht sein, wenn man den englischen Bloggern glauben mag.
    Jedenfalls bin ich mega.gespannt!

    Liebe Grüße!

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    1. Ja, Jeanine... ich will wirklich mehr über sie wissen.
      Ich fand den Anfang von Teil drei... falsch. Es hat sich wie eine ganz andere Geschichte angefühlt, diese Atmosphäre war irgendwie komplett anders. Merkwürdig ist da die passende Bezeichnung. Wirst du Teil drei lesen?

      Liebe Grüße :-)

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  3. Eine wirklich geniale "Nichtrezension"... Das ein oder andere Mal musste ich auch ein wenig lachen... Ich habe bisher nur den ersten Teil gelesen, deswegen habe ich Spoiler nicht geöffnet. Aber ich kann Dir sagen, dass ich nun verdammt Lust bekomme die anderen Teile in Angriff zu nehmen :)

    <3 Nadine

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    1. Danke :) Den zweiten Teil finde ich wirklich empfehlenswert, auch wenn viele andere den gar nicht mochten.

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  4. Ich liebe das Buch auch soo sehr! Besser hätte man es nicht formulieren können!
    Liebst, Emme ♥

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  5. Wow also ich habe diese Trilogie nie tiefgründig betrachtet, sondern einfach als eine normale Dystopie... Dein Post regt mich zum Nachdenken an ob ich die Bücher vielleicht re-readen sollte.. :D Bis jetzt habe ich nur die Amor-Trilogie als eine tiefgründige Dystopie empfunden. Tolle Rezi ürbigens! :)
    Lg Dusica ♥

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    1. Vor diesem Re-Read habe ich mich auch eher auf die Handlung und die Actionszenen im Buch konzentriert. Aber diesmal war es irgendwie total anders und ich finde jetzt, dass "Die Bestimmung" aus vielen, vielen Schichten besteht und zum Teil sehr tiefgründig ist.
      Danke :-)

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