4. Juni 2014

Rezension zu "Fürchte nicht das tiefe blaue Meer" von April Genevieve Tucholke - viel Potenzial, wenig Umsetzung

Infos zum Buch
Autorin: April Genevieve Tucholke
Preis: 12,99 € (Klappenbroschur)
Seiten: 384
Verlag: cbt
Erster Teil einer zweibändigen Reihe

Kurzbeschreibung
In Violet Whites verschlafenem Küstenort ist nicht viel los – bis River West in Violets Gästehaus einzieht. Plötzlich wird ein Phantom gesichtet, Kinder verschwinden und ein Mann bringt sich um. Hat River damit zu tun? Er weicht jeder Frage über seine Vergangenheit aus. Violets Großmutter hat sie vor dem Teufel gewarnt – aber dass er ein Junge sein könnte, der viel Kaffee trinkt, gerne in der Sonne schläft und Violet auf dem Friedhof so küsst, dass man zurückküssen möchte – das hat sie nicht gesagt. Während der Horror eskaliert, verliebt sich Violet so heftig, dass sie River nicht mehr widerstehen kann – und genau das ist seine Absicht…  (Quelle)


Meine Meinung
Warnung: Aufgrund meiner persöhnlichen Differenzen mit diesem Buch könnte es sein, dass der folgende Text kleinere Spoiler und evtl. Beleidigungen enthält. Das soll bitte niemand persöhnlich nehmen, aber ich muss meine Gedanken loswerden.

Das Cover finde ich okay, auch wenn es mir etwas zu düster ist. Ehrlich. Wenn ich mir vorstelle, wie ich in so einem Licht auf einer Klippe stehe, dann bekomme ich Kopschmerzen. Aber das Motiv ist irgendwie schön.

Freut euch auf eine unstrukturierte Rezension voller Gemecker! :D
Die Idee, die im Buch vorkommt, ist gut. Es geht um Magie, aber etwas anders als die, mit der man es schon mal in anderen Büchern zu tun bekommt. Die Idee der Autorin war greifbar und interessant. Die Umsetzung NICHT.
Außerdem kommen in dem Buch ein paar horrormäßig angehauchte Dinge vor. Jugendbücher, die Horror-Elemente enthalten, sind, glaube ich, nicht so häufig, aber die, die ich bisher gelesen habe, waren immer irgendwie komisch. Ich habe prinzipiell nichts gegen Horror (solange er in den Büchern bleibt!!!), aber das, womit man in "Fürchte nicht das tiefe blaue Meer" konfrontiert wird, ist schon ein bisschen sehr... irre. Vor allem die Art, wie der Horror verteilt ist. Etwa dreihundertvierzig von dreihundertachtzig Seiten lang passiert nichts, das wirklich von Bedeutung wäre. Dann liest man plötzlich von einem Typen, der detailliert erzählt, wie er mit einem Messer an anderen Leuten herumgeschnitten hat. Das war dann doch etwas unangenehm, aber vor allem wie ein Schlag ins Gesicht, weil so lange nichts passiert. Und dann sowas.

Die Charaktere... wie drücke ich das aus, ohne das es grob und undurchdacht klingt... sie sind allesamt bescheuert. (Mist. So viel zu grob und undurchdacht.)
Protagonistin Violet, die aus einer ehemals reichen, jetzt verarmten alteingesessenen Familie stammt, trägt die Klamotten ihrer verstorbenen Großmutter, läuft den ganzen Tag in ihrem alten, heruntergekommen Haus herum, streitet sich schon mal mit ihrem Bruder und jammert über ihre Eltern, die auf unbestimmte Zeit nach Europa gereist sind. (Und keiner wundert sich darüber, dass zwei Minderjährige ganz allein in einem riesigen Haus leben. Ist ja auch ganz natürlich.) Nichts gegen etwas verrückte Protagonisten, aber Violet war durchgeknallt durchgeknallt durchgeknallt. Dann taucht ein unglaublich gut aussehender (würg), pseudo-geheimnisvoller (kopf-gegen-die Wand-schlag) Typ auf, dem man auf zehn Meter anmerkt, dass etwas mit ihm nicht stimmt, und was macht Violet?... Sie schläft nach weniger als zwei Tagen mit ihm. Also, neben ihm, wie sie dabei immer wieder betont. 
Der unglaubliche (ätzende) Typ heißt River und er ist ein Arsch, pardon, ich meinte natürlich unsympathisch. Er ist ein Klischee auf zwei Beinen und mehr will ich zu ihm auch gar nicht sagen.
Dann gibt es Violets Bruder Luke, der sich zwar nicht toll, aber nach etwa der Hälfte des Buches wenigstens nachvollziehbar verhalten hat, und Sunshine, die Tochter von Violets Nachbarn, die wahrscheinlich den größten Teil der Geschichte auf Gras war, wie ich vermute. Und noch einen ganzen Haufen durchgeknallter Nebenfiguren.

Der Schreibstil ist nicht schlecht, kann mich aber nicht über die Geschichte hinwegtrösten. Die Autorin verwendet viele Metaphern und Anspielungen, von denen ich leider nicht alle verstanden habe, doch meistens ließ sich die leicht misslungene Umsetzung einer guten Idee zumindest flüssig lesen. Die Atmosphäre ist düster, was durch die verschwenderische Verwendung von alten Häusern, Friedhöfen und schattiger Orte betont werden soll, auf mich aber irgendwie gekünstelt gewirkt hat.

Fazit

Potenzial, verschenktes! Potential! Man nehme Figuren, die besonders wirken sollen, aber eher besonders dämlich und durchgeknallt daherkommen, werfe etwas Magie dazu, verschwende einen schönen Schreibstil an eine solche Geschichte und würzt das Ganze mit alten Häusern und voilà, heraus kommt "Fürchte nicht das tiefe blaue Meer". Für Fans von düsteren Büchern, in denen neben einer spannenden Geschichte keine allzu vielfältigen Protagonisten auftauchen, könnte das Buch durchaus etwas sein, für mich war es leider ein ziemlicher Fehlgriff. Es gab einen kleinen Teil des Buches, etwas nach der Mitte, der mir ganz gut gefiel, aber das war es dann auch schon. Ich vergebe 1,5 von 5 Schmetterlingen.

Kommentare:

  1. Hey,
    ich bin auf deinen Blog gestoßen und er gefällt mir sehr, bin direkt Leserin geworden :)
    Vielleicht hast du ja Lust bei mir mal vorbeizuschauen :)

    Liebe Grüße,
    Lisa

    http://www.buecherparadis.blogspot.de

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    1. Danke, das freut mich :) Ich schaue gleich mal vorbei.

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  2. Das hört sich so unglaublich schlecht an, dass ich es glatt lesen möchte! :D
    Eine gute und ehrliche Rezension. :)

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    1. Es ist auf jeden Fall so bescheuert, dass es schon fast wieder unterhaltsam ist.
      Danke :)

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  3. Ich finde das Cover irgendwie total cool... dieses Lichtspiel und die angepasste Schriftart. Schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat!

    LG Lulu
    Cook - Bake - Book

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    1. Es ist cool, aber... ich weiß nicht. Auf jeden Fall passt es zur Stimmung der Geschichte :)

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  4. Sie trägt die Klamotten ihrer verstorbenen Großmutter? :O Also entweder hat die Großmutter eine richtig guten oder Violet einen richtig schlechten Kleidungsgeschmack ...

    Sagen wir mal so, ich habe jetzt nicht das Bedürfnis, dieses Buch zu lesen. :D Aber weshalb, hast du gut begründet.

    Liebe Grüße ♥

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    1. Violet liebt ihre tote Großmutter total (die war, wenn sie in Rückblenden vorkam, auch die sympathischste Figur) und findet ihre Klamotten toll. Violet mag altmodische Sachen generell und wenn ich sie nicht so abgedreht gefunden hätte, wäre das irgendwie interessant gewesen. Aber so... wirkte das so, als sollte die Protagonistin möglichst außergewöhnlich und andersartig wirken, um mangelnden Tiefgang zu überdecken.

      Ich kann's auch leider nicht wirklich empfehlen :/

      Liebe Grüße :)

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  5. Als du geschrieben hast, dass der Text evt. Beleidigungen enthält, da hattest du mich am Haken xD
    Sehr gut geschriebene Rezension. Du machst mir wirklich Lust auf dieses tolle Buch! (nicht ;) )
    Danke für die Warnung, die Rezension deckt sich mit den meisten, die zu diesem Buch geschriebenen. Die Charaktere hören sich wirklich sonderbar an. Und so erwzungene Atmosphären, die sind nichts für mich.

    Liebe Grüße :)

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    1. Haha :D
      Danke :) Sonderbar und erzwungen ist gegen dieses Buch noch gar nichts.

      Liebe Grüße :)

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  6. Tut mir leid, dass das BUch nichts für dich war. Mir hat es super gut gefallen.

    So sind eben Geschmäcker - verschieden :)

    Andreea

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    1. Meine Rezension ist auch seeehr subjektiv - ich hatte das Gefühl, mich wegen dem Buch abreagieren zu müssen, und heraus kam dieser Post. Mich freut aber, dass du es gut fandest :)

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  7. Wuhuu jemanden gefunden, der das Buch genauso beschissen wie ich findet xD Ne mal wirklich, die Charas waren so durchgeknallt und ich habe erst gar nicht gecheckt, was die Autorin vermitteln wollte O.o Und dann dieser komische Typ am Ende ist auch total krank und was dann auch noch mit Sunshines Eltern war :O Das ist so krank und unverständlich geschrieben, ich dachte immer ich habe was überlesen :D

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    1. Beschissen trifft's :D Ich glaub nicht, dass sie überhaupt irgendwas vermitteln wollte, sie wollte die Leser nur mit ihren dämlichen Charakteren in den Wahnsinn treiben und eine Armee von gedankenlosen Zombies erschaffen... oder so xD Alles in allem war es wirklich krank und sinnlos.

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